Integrative Pflege


Eintauchen in das Leben der Patienten, um Fähigkeiten zu wecken: Die Akutgeriatrie des Krankenhauses Friesach setzt seit vier Jahren das Modell der integrativen Pflege nach Maria Riedl um.


„Alt werden ist keine Kunst“, ist auf dem Blatt zu lesen, das auf der Station aufliegt, „aber damit umzugehen ist eine“. DGKS Gabriele Spann weiß ein Lied davon zu siegen, eine lange Ballade mit vielen Strophen, schließlich arbeitet sie auf der Akutgeriatrie des Deutsch-Ordens-Krankenhauses Friesach - jene Station, die sich dieses Motto auf ihre Fahnen geheftet hat. Der Umgang mit Alter und Gebrechlichkeit ist ihr tägliches Brot, wenn man so will. Eine Arbeit, die allerdings nicht durch Monotonie, sondern durch Abwechslung geprägt ist: Das hört man aus jedem ihrer Sätze heraus – und aus der Begeisterung, mit der sie über ihre Tätigkeit spricht.  
Lesen wir weiter im Mission Statement: „Auf unserer Station bemühen wir uns, Sie wieder in Ihr gewohntes Leben zurückzuführen.“ Hilfe zur Selbsthilfe gewissermaßen. „Alles, was die Patienten noch selbst tun können, sollen sie auch selbst tun“, sagt Gabriele Spann. „Wir machen die Patienten fit für zu Hause und sind bestrebt, ihre Autonomie nicht nur zu erhalten, sondern auch zu fördern.“  Das bedeutet etwa, dass sich die Patienten täglich selbst (so gut es eben geht) anziehen – und zwar nicht „Krankenhauskleidung“, sondern jene Kleidung, die sie auch daheim tragen würden. Ein „Wohnzimmer“ auf der Station sorgt für eine heimelige Atmosphäre und auch sonst erinnert hier vieles eher an eine private Wohnung denn an ein Krankenhaus.
Zum Selbstverständnis der Friesacher Akutgeriatrie gehört, sich neuen Pflegekonzepten zu widmen. Eines davon – die integrative Pflege nach Maria Riedl – wird seit vier Jahren erfolgreich in der Abteilung umgesetzt. Die Beschäftigung mit der Biographie des alten Menschen hilft dabei, alte Gewohnheiten oder Beschäftigungen aufzuspüren – „und wenn wir diese wieder aktivieren, können auch andere Fähigkeiten mobilisiert werden.“
Biographiearbeit heißt, sich aktiv mit dem Leben des Patienten auseinanderzusetzen, Verwandte zu kontaktieren, einzutauchen in ein Leben; nachzuspüren, was es geformt hat. Im Falle einer dementen Patientin etwa fanden die Pflegerinnen heraus, dass sie früher begeisterte Organistin in der Kirche war. Sie stellten ihr eine Heimorgel zur Verfügung - und so hatte diese Frau auf der Station ein Relikt aus ihrem ganz persönlichen Leben zur Verfügung, das sie stützte und ihr Freude bereitete.
Biographiearbeit, sagt Maria Riedl, ist unbedingt notwendig: „Die Biografie ist die Aufzeichnung der subjektiv erlebten Lebensgeschichte. Wird einem Menschen seine Lebensgeschichte genommen durch Einschränkungen der Gedächtnisleistung oder eine verständnislose soziale Umwelt, so wird er ein Lebewesen ohne Geschichte. Er weiß nicht mehr, wer er ist, wohin und zu wem er gehört. Er wird für die Umgebung auffällig dement.“
„So arbeiten wir auch hier“, sagt Gabriele Spann. „Wir versuchen, alte Menschen zu verstehen. Wir bemühen uns, Rücksicht zu nehmen auf ihre alltäglichen Gewohnheiten, wir nützen das veränderte Gedächtnis und helfen bei der Anpassung.“ Oder in den Worten ihrer Mentorin Maria Riedl: „Viele Menschen haben es nötig, dass ihnen jemand hilft, ganz zu werden.“


Weitere Informationen zum integrativen Pflegekonzept nach Maria Riedl:
www.lernen.sbg.at/index.html