Eine Technologie zum Niederknien


Präziser geht’s nicht: Im Deutsch-Ordens-Krankenhaus Friesach werden Kniegelenksprothesen standardmäßig per Computernavigation eingepasst.





Navigationsgeräte im Auto beflügeln den Expeditionsgeist: Manch einer, so hört man, habe Sackgassen kennen gelernt, in die er ohne Navi niemals geraten wäre. Navigationsgeräte in der Medizin operieren da mit einem anderen Grad an Zuverlässigkeit: Sie rechnen aus, was das menschlichen Auge nur ungenau oder gar nicht mehr erkennen kann - und liefern dem Operateur höchst präzise Daten. 
Einer, der sich auf diesem Gebiet bestens auskennt, ist Dr. Manfred Krenn,
Primarius an der Abteilung für Unfallchirurgie am Deutsch-Ordens-Krankenhaus Friesach. Seit 2001 ist er mit der Computernavigation in der Kniegeleksprothetik vertraut. An seiner Station werden jährlich rund einhundert Patienten mit Hilfe dieser Technologie operiert. Einen Verfahren, das zwar „viel Erfahrung“ erfordere, sagt Krenn – dafür aber können es auch mit zahlreichen Vorteilen aufwarten: Etwa mit einer optimalen Passgenauigkeit, die beste Funktionalität und einen langfristigen Erfolg des künstlichen Gelenks garantiert.
Und wie funktioniert’s? Nun - nach der konventionellen Methode ist der Operateur auf mechanische Ausrichthilfen, auf sein Auge und seine Erfahrung angewiesen. Faktoren, die – bis auf die Ausrichthilfe - auch bei der computernavigierten Methode eine Rolle spielen. Allerdings erhält bei letzterer Strategie der Operateur zusätzliche Daten, die ihm das Anpassen der Prothese wesentlich erleichtern. So ist das Bein des Patienten über Infrarot mit einer Kamera und diese wiederum mit dem Computer verbunden. Die Oberfläche des Knies wird nun mit einem Stift abgetastet, die Daten in den Computer eingespeist. Sodann errechnet der Computer das Modell eines idealen Kniegelenks – und zwar bevor der Knochen des Patienten auch nur angerührt wird.
Als säße er in einem Cockpit, orientiert sich der Chirurg nun an einer genauen Schnittlinie, einem künstlichen Horizont, den der Computer vorschlägt. Nach Einpassung der Probeprothese kann zudem genau überprüft werden, ob sich das Bein des Patienten gut durchstrecken, bzw. beugen lässt. Auch die Beinachse lässt sich mit Hilfe der Computernavigation optimal kontrollieren.
Was im Operationssaal genau geschieht, bleibt schließlich auch keine Buch mit sieben Siegeln: Die Operations-Daten werden nämlich gespeichert und sind noch Jahre später abrufbar.